Der Frontkick

Der Front-Kick ist eine der Fußtechniken im Kickboxen, die aufgrund des kurzen Weges zum Ziel und der ihr innewohnenden Störfunktion gut geeignet ist, um sich einerseits vordrängende Gegner “vom Leib halten zu können” und andererseits die Möglichkeit bietet, durch die Ausführung mit dem Vorderbein schnelle Angriffe zum Bauch des Gegners durchzuführen.

Angriffsziel und Trefferfläche
Das Angriffsziel dieser Technik ist der Bauch- und Brustbereich, in seltenen Fällen auch das Gesicht.

Getroffen wird der Gegner in der Regel mit dem Fußballen, die Technik kann aber auch – was ihr eine höhere Schubwirkung gibt – mit der Fersenunterseite gestoßen werden, um den Gegner z.B. von der Kampffläche zu drängen oder ihn in die Seile zu drücken.

Technische Ausführung
Zu berücksichtigen ist – um die Technik auch wirkungsvoll werden zu lassen -, dass es sich um einen geraden Fußstoß handelt, der das Ziel im rechten Winkel von vorn kommend treffen soll.

Um dieses Ziel zu erreichen, muß im Training darauf geachtet werden, dass schon beim Hochziehen des Technikknies der Fuß mittels der Schienbeinmuskulatur nach oben gezogen wird. Läßt man den Fuß im Ansatz nach unten “hängen”, wird das Ziel in einer eliptischen Bahn getroffen und es handelt sich nicht mehr um einen geraden Stoß. Außerdem ist die Technik bei dieser fehlerhaften Ausführung besser blockbar und es besteht die Gefahr, von unten gegen den Ellenbogen des Gegners zu treten.

Ansatz
Für den Ansatz dieser Technik und ihre Ausführung muß man sich im Klaren darüber sein, dass es sich hier um einen geraden Fußstoß handelt.
Die Technik erhält ihre Schlagkraft zum einen aus dem gezielten Einsatz der Technikhüfte und zum anderen aus der starken Kontraktion des Beintrizeps am Technikbein.

Eine erhebliche Minderung der Stoßkraft entsteht dadurch, dass die Technikhüfte bereits beim Anreißen des Kniees nach vorn geschoben wird; die Beschleunigung kommt dann lediglich aus der Kontraktion des Beintrizeps.

Wichtig ist daher, dass die Anreißbewegung, das leichte Eindrehen des Standfußes nach innen und die impulsartige Beschleunigung durch die Hüfte fließend ineinander übergehen.

Zur eigenen Sicherheit ist darauf zu achten, dass der Fuß mit hochgehaltenem Knie nach dem Stoß wieder zum eigenen Standknie zurückgezogen und dann erst nach vorn in die Auslage abgesetzt wird. Auch neigen Anfänger dazu, beim Stoß die Arme unnötig auseinanderzunehmen, was sie stark konteranfällig macht.

Anwendung der Technik im Kampf
Der Front-Kick ist eine Technik, die sich im Verlauf eines Kampfes ständig anwenden läßt, da sie ohne großen körperlichen Aufwand ausgeführt werden kann, das Ziel auf kurzem direktem Weg erreicht und sie auch für das Lösen vom Gegner gut einsetzbar ist.

Man kann sie daher wie folgt verwenden:
a. Als Konter gegen Führhandangriffe des Gegners; gerade dabei ist die vorab beschriebene richtige Ausführung ganz wesentlich, um schnell und stark unter dem angreifenden Arm den Fußstoß ausführen zu können.

b. Als Einleitungstechnik für einen eigenen Angriff.

c. Als Angriffseinleitung, um dann mit den Händen die eigentliche Angriffskombination einzuleiten. Dafür ist wesentlich, dass der Kickboxer das Knie des Trittbeines hoch hält und den Unterschenkel wieder eng an den eigenen Oberschenkel zurückzieht. Auch muß der Oberkörper dabei aufrecht und die Deckung geschlossen gehalten werden.

d. Als Folgetechnik nach einem Angriff mit den Händen oder zum Lösen vom Gegner nach einem eigenen Angriff oder Konter.

Der Lehrweg für den Front-Kick
- Grundsätzliches
a. Zunächst ist darauf zu achten, dass beim Anreißen des Technikbeines der Standfuß mit seiner Längsachse nach innen mit Richtung zum Ziel eingedreht wird (Drehung auf dem Fußballen); dadurch ist sichergestellt, dass die Hüfte einen großen Bewegungsradius erhält und die Technik eine maximale Reichweite.

Der Oberkörper ist aufrecht zu halten, d.h. die linke Schulter (bei Linksauslage) ist gegen den Uhrzeigersinn zu drehen und die Hände sind oben zu halten (keine Schwungbewegungen mit gestreckten Armen).

b. Der Sportler führt die Bewegung über ein Hindernis aus, damit später gewährleistet ist, dass der Technikfuß auf einer geraden Linie treffen kann und nicht von schräg unten kommend mit dem Spann gegen den Ellenbogen tritt.

c. Der Sportler wird angehalten, darauf zu achten, daß das Knie nach dem Zurückziehen des Fußes nicht “herunterfallen” darf, damit das angewinkelte Bein entweder für Folge-Fußtechniken genutzt oder zumindest in Schutzfunktion vor dem eigenen Körper verbleibt, um einen evt. vorgehenden Gegner noch stoppen zu können.

Pratzentraining
Die Anwendung beim Pratzentraining erfolgt unter dem Gesichtspunkt, daß einerseits der Fußballen das Ziel trifft und zum anderen der Sportler darauf achtet, nach dem Treffen der Pratze schnellstmöglich wieder in eine stabile Stellung zu kommen, um gfls. mit den Händen den Angriff fortsetzen zu können.

Hier bietet es sich an, die Technik über ein Hindernis treten zu lassen, da damit gewährleistet ist, dass das Knie im Ansatz hochgezogen wird – der Stoß also horizontal erfolgt – und das Bein nicht einfach herunterfällt, sondern der Fuß über das Hindernis zurückgezogen wird.

Partnerübung
1. Im Zuge der Übung mit dem Partner kann aus der lockeren Bewegung heraus der Fußtritt ausgeführt werden, wobei der Partner die Boxhandschuhe als Ziel vor den Bauch hält. Es ist unbedingt darauf zu achten, daß der Aktive immer Augenkontakt zum Partner hält und nicht auf die Handschuhe schaut.
2. Um ein Abfallen des Beines zu verhindern, führt der Aktive nach einem Front-Kick eine zweite Fußtechnik aus. Im Kampf kann diese zum Körper getreten werden; um aber bei der Übung gerade das Hochhalten des Kniees zu trainieren, eignet sich z.B. ein nachfolgender Roundhouse-Kick zum Kopf besonders für dieses Trainingsziel.

Sparring
Im bedingten Sparring kann zur Aufgabe gemacht werden,
a. den Front-Kick als Finte zu nutzen, um anschließend mit Boxtechniken oder einer starken zweiten Fußtechnik den eigentlichen Angriff durchzuführen,
b. den Front-Kick sporadisch als Kontertechnik gegen Führhandangriffe zu nutzen oder
c. einen eigenen Angriff beim Lösen vom Gegner mit dem Frontkick zu sichern.