Die Handtechniken und der Körper

Zwei Grundsätze sind immer zu beachten:
1. Drehe Hüfte und Bauch während der gesamten Aktion in die Richtung, in die sich das Angriffs- bzw. Verteidigungswerkzeug bewegt.

2. Die Ferse des hinteren Beines sollte zu Beginn der Aktion leicht vom Boden abgehoben sein, um im Moment des Einrastens der Technik bewußt und stark abgesetzt zu wer den.

Beim Streben nach dem Optimum ist vom allem entscheidend, sich diese beiden Grundsätze besonders vor Augen zu führen. Ein Verstehen dieser Punkte und ein Umsetzen können auf die eigenen Techniken ist der Grundstein für das Verstehen des Systems überhaupt. Die physikalische Kraft des Taekwon-Do wird hervorgerufen durch eine zentrale Rumpfverwringung! Sie ist maßgeblich dafür, die äußeren Körperteile (Arm, Fuß) mit Geschwindigkeit zum Ziel zu bringen. Das Erreichen des Zieles hat dabei unter größtmöglicher Konzentration, Präzision und bestmöglichem Gleichgewicht zu erfolgen. Der Aktive ist zwar in der Lage, neue Fähigkeiten durch häufiges üben (wiederholen) zu verfestigen, die Körperverwringung (KV) ist dabei aber wohl die am schlechtesten zu automatisierende und vom Trainer zu vermittelnde Fähigkeit. Dennoch ist sie das wichtigste Element im gesamten Prozeß der Krafterzeugung und ein eingebauter Aktions-Reaktionsmechanismus, der es dem Aktiven z.B. ermöglicht, auch dann kraftvolle Schläge und Stöße auszuführen, wenn die Füße den Boden nicht berühren (bei Sprungtechniken). Beschäftigt man sich ernsthaft mit Taekwondo, ist es wichtig, die gerade genannten Grundsätze nicht nur zu überlesen und zu sagen:“Ja, so ist es“ oder „Ich glaube nicht, das dass stimmt“.

Nein, man muß jede einzelne Technik für sich erarbeiten.

Dies bedeutet, die Art wie man eine Technik ausführt dahingehend zu analysieren, ob die Grundsätze jedesmal ihre unabdingbare Berücksichtigung finden. Für den Fall, dass man die Notwendigkeit bisher nicht erkannt hat, sollte man die Ausführung sofort umstellen. Hierbei ist nicht immer darauf zu hoffen, dass der Trainer eine entsprechende Verbesserung vornehmen wird. Der Trainer leitet die Gruppe nur an und kontrolliert im Rahmen des Gruppentrainings so gut, wie er entsprechend der Gruppenstärke dazu in der Lage ist.

Die Eigenarbeit an sich selbst ist das Wichtigste!!!!

Aufgrund dieser Eigenverantwortlichkeit für die Techniken sollte sich der Aktive nicht selbst damit betrügen zu sagen: „Na ja, in etwa stimmt’s.“ Zu berücksichtigen sind natürlich immer persönliche Gegebenheiten, die die Ausführung einer Technik beeinflussen können (hauptsächlich betroffen sind hiervon die Fußtechniken), jedoch darf man nicht den Fehler begehen, sich dahinter zu verschanzen, dass man eine „gute“ und eine „schlechte“ Seite hat. Taekwon-Do ist ein System, das den Körper nicht in gut und weniger gut unterteilt. Das Schlechte muß demgemäß mehr trainiert werden. Hieraus ergibt sich zwingend die Folgerung, dass es Stillstand beim Training nicht geben kann, denn wer kann schon von sich behaupten, er habe das persönliche Optimum errreicht.

Am Beispiel des ap gubi momtong chirugi will ich versuchen, die KV zu erklären:
Der gleichseitige Fauststoß ist eine der ersten Techniken, die der Anfänger erlernen soll. Abgesehen vom Einüben der stabilen Stellung weist der Trainer darauf hin, dass die andere Faust entgegen der Stoßrichtung zur Hüfte gezogen werden muß, um dort, mit dem Faustrücken zum Boden zeigend, zu arretieren. Diese Bewegung schafft die Reaktionskraft zum Stoß und addiert sich zu dessen Stärke. Führt man die Bewegung jedoch ohne KV aus, kann niemals die subjektiv maximale Kraft erreicht werden. Die erste Bewegung muß daher von der Hüfte und somit von der Wirbelsäule ausgehen, die sich um eine senkrechte Achse verdreht und dadurch die Schultern zu einem Punkt schwingt, von dem aus die Arme auf ihre endgültige Bahn gebracht werden können. Alle beteiligten Muskelgruppen sind dadurch in eine Aktion einbezogen, zusammen, jedoch in Reihenfolge: Hüfte, Oberkörper, Schultern, Arme und Hände.
Die Entspannung der Muskelgruppen vor der Aktion ist eine unbedingte Notwendigkeit, um die Weichheit der Bewegung und damit ihre Geschwindigkeit nicht zu beeinträchtigen. Nach langer Zeit des Übens wird die KV zu einem spontanen Bestandteil (Reflex) aller Techniken, ihre Ausführungszeit wird sich verkürzen und sie wird für einen unbeteiligten Zuschauer kaum sichtbar sein. Dies ist wohl auch der Grund, warum der Schüler oft die Schwierigkeit hat, die KV zu realisieren während er seinen Trainer (der sich hoffentlich damit beschäftigt hat) beim Training beobachtet. Die Bewußtmachung dieses Prozesses ist für den Aktiven ein unverzichtbares Muß auf dem Weg zur subjektiv maximalen Kraft.

Die Körperverwringung gliedert sich in vier Phasen:
1. In der Ausgangsstellung stehen Hüfte und Schultern ausgerichtet übereinander.
2. Bei einem rechten Fauststoß dreht sich die rechte Technikhüfte nun im Uhrzeigersinn ein und die rechte Schulter
     schwingt locker hinterher.
3. Ruckartig wird die rechte Hüfte nun zum Ziel beschleunigt und reißt automatisch die rechte Schulter hinter sich her
      in Richtung auf das Ziel. Gleichzeitig mit der Schulter bewegt sich auch der Technikarm vorwärts und die Faust
      wird zum Zielpunkt beschleu nigt.
4. In der letzten Phase arretieren Hüfte und Schulter wieder ausgerichtet übereinander

Zum Verständnis der KV reicht es nicht aus, sich die Theorie durchzulesen.

Gerade der Aktive, der als Trainer arbeitet (und natürlich Fortgeschrittene) muß sich die KV erarbeiten. Er muß jede Technik in einzelne Phasen zerlegen und muß sich den Sinn jeder Phase gegenwärtig machen. Ein häufiger Mangel scheint mir gerade in der Auseinandersetzung mit der Grundtechnik zu sein, dass zu oft angenommen wird, als Schwarzgurt gäbe es Nichts mehr zu lernen. Dieser Mangel ist aber immer ein Schaden für den Aktiven selbst, vor allem für seine Schüler und langfristig gesehen für das System als solches. Der Schüler hat die Verpflichtung an sich selbst zu arbeiten und den Anspruch, dass der „Meister“ sich ständig weiterbildet und ebenfalls an sich arbeitet.